• „Alles ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort im selben Augenblick.“ – Die Dämonen von Fjodor Dostojewksi


Auch wenn der russische Schriftsteller sonst ziemlich christlich angehaucht scheint, was mir grundsätzlich ja eher weniger gefällt trifft er meines Erachtens mit diesem Zitat aus seinem Buch „Die Dämonen“ voll ins Schwarze. Der Mensch muss nur endlich begreifen, dass es lediglich eine Entscheidung ist glücklich zu sein oder nicht.


Wenn du morgens vorm Badezimmerspiegel stehst kannst du dich anschauen und sagen

„Boah, was ich ich heute mal wieder wenig Lust darauf zur Arbeit zu fahren. Und heute Nachmittag Oma besuchen erst. Das wird die Hölle!“

Du kannst aber auch sagen

„Einen wunderschönen guten Morgen! Schauen wir mal was der Tag heute so bringt. Und jetzt erst mal ein Käffchen.“

Natürlich musst du dann trotzdem zur Arbeit aber ob du es glaubst oder nicht, du wirst schon mal etwas bessere Laune haben, wenn du diese Tatsache einfach akzeptierst. Wenn du es nicht akzeptieren kannst, dann solltest du mal ernsthaft darüber nachdenken ob der Job das richtige für dich ist. Du hast es selbst in der Hand. Es gibt immer mehr Möglichkeiten als du glaubst. Und vieles ist besser, als ein Job, der dir schon morgens den Tag versaut – jeden verdammten Tag. Du hast schließlich (erst mal) nur ein Leben.


Ich weiß, es gibt viele Einwände dagegen, warum du dann aber leider doch wieder nicht glücklich sein kannst. Sorgen, Krankheiten, Gemeine Menschen, Unzufriedenheit. Und ich höre auch schon deine Einwände: „Man kann das doch schließlich nicht einfach entscheiden. So ein Blödsinn. Wenn das so einfach wäre würde es ja jeder machen. Immer diese Esoterik Spinner.“ Ich sehe dein Kopfschütteln.


Meiner Meinung nach das sind alles nur Vorwände um nicht glücklich sein zu müssen. Klingt komisch, nicht wahr? Aber glücklich sein im Alltag ist irgenwie ein kleines Tabu habe ich den Eindruck. Wenn dich morgens auf der Arbeit jemand fragt „Und wie geht es dir heute?“ und du antwortest „Perfekt! Alles ist bestens! Hast du gesehen wie schön der Sonnenaufgang heute früh war?“ wirst du in den meisten Fällen nur verständnislos – wenn du Glück hast nur irritiert – angeschaut und man wendet sich von dir ab, weil du dann schlicht und einfach langweilig bist. Nur wer morgens erst mal davon berichten kann wie furchtbar grausam sein Morgen schon war, über die kranken Kinder jammert oder den Freund, der mal wieder verdächtig lange weg war gestern Abend. Der ist interessant. Man kann bemitleiden, Theorien aufstellen, noch etwas Öl ins Feuer gießen oder erzählen, dass man selbst noch viel schlimmer dran ist. So eine grausame Welt.


Und es wird auch immer schlimmer. – Falsch, früher hatten die Menschen nur nicht so viel Zeit um sich über solche Dinge den Kopf zu zerbrechen. Die hatten früher noch „echte“ Sorgen. Überlebensentscheidende Sorgen. Den Steinzeitfrauen war es völlig gleich ob ihr Mann in einer fremden Höhle übernachtet hat, solange er genügend Mammuts für die Familie erlegt hat zwischendurch. Andererseits wär der Mann auch nicht so schnell auf die Idee gekommen mit ner zweiten Steinzeitfrau anzubandeln. Nachher will die auch noch Mammuts. Also besser nicht.


Aber zurück zu unseren Sorgen. Ich kann verstehen, wenn man sich Sorgen macht. Ich war vor gar nicht allzu langer Zeit noch absolute Grübelmeisterin. Bis ich gemerkt habe wie sinnlos das ist. Wenn ich heute merke, dass mich Sorgen länger als zwei Minuten oder häufiger als 3 mal am Tag heimsuchen überleg ich mir mal was es damit auf sich hat.

Kann ich in der Angelegenheit was unternehmen?

Ja! Dann tu es, sobald du kannst und bis dahin lass dir davon nicht die Laune verderben!

Nein! Macht grübeln die Sache besser?

Letzteres ist eine ziemlich rhetorische Frage, denn Grübeln macht eigentlich nie was besser, außer das es mir wertvolle Zeit stielt in der ich auch glücklich sein könnte.

Ich hab mich vor ein  paar Wochen zum Beispiel mal wieder solchen Sorgen ergeben und es erst hinterher bemerkt. Habe mich tagelang gesorgt ob ich es ganz allein schaffe den ganzen Sperrmüll nach der Spätschicht noch rauszustellen, vielen Leuten mein Leid geklagt und quasi um Mitleid gebettelt. Immer wieder kam es in meinen Kopf und hat ein ungutes Gefühl im Bauch verursacht. Letztendlich war es eine Sache von 20 Minuten und nicht ansatzweise so schlimm wie befürchtet. So viele potentiell schöne Momente durch Sorgen versaut. Schön blöd 😉


Das gleiche gilt für Krankheiten. Grübeln bringt auch da nicht viel, außer einen versauten Tag. Lass deinen Körper, den Arzt oder Heilpraktiker (je nach Krankheit und/oder wem du mehr vertraust) tun was er tun muss und dann hör endlich auf dir Sorgen zu machen. Sorgen machen nicht gesund. Ganz im Gegenteil. Sorgen sind Stress und Stress ist nachweislich ein Faktor, der das Immunsystem sogar schwächen kann (Quelle)

Mach es also am besten einfach wie Voltaire:

Da es sehr förderlich für die Gesundheit ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein.

Also einfach morgens mal grinsend das Haus verlassen. Hilft gegen Schnupfen. 😉


Morgens Gute Laune zu haben ist ja auch meist gar nicht so schwer. Aber spätestens wenn man dann dem ersten rücksichtslosen Autofahrer  begegnet auf dem Weg zur Arbeit kann die ganze gute Laune schon wieder dahin sein. Oder? Hilft es was? Nee, also warum aufregen?

Im arbeite im Einzelhandel und wir sind ganz oft Punchingball für Menschen mit schlechter Laune. Da wird gruß- und satzlos „gefragt“: „HAFERFLOCKEN????“ und dann wird erwartet, dass wir höflich in ganzen Sätzen antworten und den Kundenkönig auch noch zum Regal begleiten und ihm zum Abschied einen schönen Tag wünschen. Am Anfang fiel mir das schon schwer bei solchen Menschen. Mittlerweile habe ich eine gute Methode gefunden mit solchen Miesepetern umzugehen ohne selbst ausfallend zu werden. Jeder Mensch strebt danach glücklich zu sein. Auch solche Menschen, ob du es glaubst oder nicht. Sie haben offenbar nur noch keinen funktionierenden Weg gefunden. Vielleicht haben sie auch einfach zu Hause nichts zu melden und müssen deshalb in Supermärkten das wehrlose Personal anpöbeln. Ich jedenfalls habe nur noch Mitleid mit solchen Menschen. Und wenn ich heute zu so jemandem sage „Einen schönen Tag noch“ dann mein ich das auch so. Bei ganz schweren Fällen rutscht mir auch manchmal ein „Ich hoffe Ihr Tag wird heute noch besser“ raus. Das hat schon manchmal für erstaunte Blicke gesorgt. Auf jeden Fall führt es so gut wie immer dazu, dass die Menschen dann doch wieder etwas besser drauf sind, als hätte ich mich auf ihr Niveau begeben. Mit dieser Methode ist meine Laune geschützt und vielleicht die eines Mitmenschen verbessert, was mich wiederum freut. Wenn das mal nicht gut für’s Karma ist. Auf jeden Fall ist es gut für’s glücklich sein.

Und die Unzufriedenheit… die ist definitiv ein Luxusproblem, dass einen eigenen Blogeintrag verdient.

 

 

So und welche Ausrede hast du jetzt noch um nicht glücklich zu sein? Kommentare erwünscht!